Aktuelles

07/2020 – Urteil zum Privacy Shield - Privatsphäre vs. Massenüberwachung

Der österreichische Jurist Max Schrems ist diesen Monat erfolgreich vor Gericht gewesen: Der Europäische Gerichtshof erklärte das Privacy Shield für ungültig. Grund: Unser europäisches Datenschutzniveau kann in den USA nicht eingehalten werden. Dort wird die nationale Sicherheit über den Schutz personenbezogener Daten und das Recht auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz gestellt. Durch Gesetze wie dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) resultiert eine anlasslose Massenüberwachung, die mit den europäischen Datenschutzstandards nicht vereinbar ist.

enlightened Privacy Shield: Rechtlicher Rahmen für den transatlantischen Datenverkehr, in dem festgelegt wird, dass das Datenschutzniveau der USA als angemessen für den ungehinderten Transfer persönlicher Daten durch Firmen wir Facebook oder Google ist; Im Gegenzug gaben die USA sehr beschränkte Garantien, dass die Massenüberwachung europäischer Nutzer:innen eingeschränkt würden.

Bislang waren europäische Daten auf amerikanischen Servern schutzlos der Überwachung durch US-amerikanische Behörden ausgeliefert. Eine Mitverantwortung tragen dabei auch US-Firmen wie Facebook oder Google, die wenig Interesse an starkem Datenschutz haben – schließlich steht dieser den Geschäftsmodellen mit personalisierter Werbung im Weg. Spätestens nach den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden ist außerdem klar: Die NSA saugt im großen Stil Daten von Apple, Facebook, Google und Co. und macht diese zusätzlich weiteren US-Behörden verfügbar. Da es keine Möglichkeit gibt, herauszufinden, ob man überwacht wird, haben die Menschen auch keine Möglichkeit, vor Gericht zu gehen. Der EuGH sprach in diesem Zusammenhang sogar von einer Verletzung des „Wesensgehalts“ der EU-Grundrechte.

Was nun auf das Urteil folgt, ist eine massive Rechtsunsicherheit: Internationaler Datenverkehr bleibt zwar weiterhin möglich, die Grundrechte der EU-Bürger:innen sind jedoch dabei zu beachten – eine komplexe Aufgabe. Datenschutzbeauftragte in Deutschland und Europa müssen sich schnell verständigen, wie mit Institutionen umgegangen wird, die weiterhin unzulässiger Weise auf das Privacy Shield setzen. Die oft verwendeten Standardvertragsklauseln (SVK) können weiterhin prinzipiell abgeschlossen werden, jedoch muss nun vor der ersten Datenübermittlung geprüft werden, ob im Ausland staatliche Zugriffsmöglichkeiten auf die Daten bestehen.

Schrems selbst sagt:

„Der Gerichtshof hat nun zum zweiten Mal klargestellt, dass es einen Konflikt von EU-Datenschutzrecht und US-Überwachungsrecht gibt. Da die EU ihre Grundrechte nicht ändern wird, um die NSA zufriedenzustellen, besteht die einzige Möglichkeit, diesen Konflikt zu überwinden, darin, dass die USA solide Datenschutzrechte für alle Menschen – auch für Ausländer – einführen. Eine Überwachungsreform wird dadurch entscheidend für die Geschäftsinteressen von Silicon Valley.“

Fest steht: Bis zu einer Änderung der Rechtslage sollen laut Urteil personenbezogene Daten nicht mehr wie bisher in die USA übermittelt werden. Erst, wenn der NSA und anderen (amerikanischen) Geheimdiensten ein Riegel vorgeschoben wird, kann von einem ähnlichen Datenschutzniveau zwischen der EU und den USA gesprochen werden.1 Bis dahin haben Unternehmen, die öffentliche Verwaltung und europäische Aufsichtsbehörden die Aufgabe, das Urteil anzuwenden. Trotz der Ungültigkeitserklärungen im Urteil können absolut „notwendige“ Datenübermittlungen gemäß Artikel 49 DSGVO weiterhin stattfinden. Wollen Nutzer ihre Daten rechtmäßig ins Ausland fließen lassen, bestehen hierfür nach wie vor Möglichkeiten. Die Datenübermittlung kann etwa auf die informierte Einwilligung des Nutzers gestützt werden, die jederzeit widerrufen werden kann. Ebenso erlaubt die DSGVO Datenübermittlungen, die „notwendig“ sind, um einen Vertrag zu erfüllen. Wir raten daher weiterhin von der Nutzung zentraler, amerikanischer Dienstleister wie Facebook ab. Ein Statement zu Facebook haben wir bereits vor einigen Jahren veröffentlicht.

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1 https://netzpolitik.org/2020/eugh-zum-privacy-shield-schuld-ist-das-system-der-massenueberwachung/

06/2020 – Datenschutzgerechtes Arbeiten von Zuhause: Dezentral und quelloffen

Corona hat gezeigt: Arbeiten von Zuhause aus ist in vielen Unternehmen möglich. Laut Studien wünschen sich über die Hälfte der Deutschen auch nach der Corona-Pandemie flexibler aus dem Homeoffice arbeiten zu können. Der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will sogar ein Recht auf Homeoffice einführen. Die Verantwortung liegt nun bei den Unternehmen ihren Mitarbeitenden eine datenschutzkonforme, dezentrale und quelloffene technische Ausstattung zur Verfügung zu stellen.

Von Anwendungen mit zentraler Datenspeicherung raten wir generell ab, da die Datensouveränität über die eigenen Daten nie vollständig gegeben ist. Zoom macht seit Monaten durch massive Sicherheitslücken Schlagzeilen. Unter anderem stand das Tool in der Kritik, die E2E-Verschlüsselung nur für den Text Chat eines Meetings anzubieten, aber nicht für die Audio- und Video-Feeds. Stattdessen nutzt der Dienst TLS, sogenannte Transportverschlüsselung. Das heißt, Zoom selbst hat nach einer Videokonferenz weiterhin vollen Zugriff auf die übertragenen Daten inklusive Video- und Audio-Feed. Microsoft (Teams) geriet ebenfalls wegen Datenschutzmängeln und Sicherheitslücken in die Kritik. Außerdem erfasst Microsoft systematisch Daten in großem Umfang über die Standard Anwendungen, ohne die Anwender:innen darüber zu informieren. Ein weiteres Datenschutzproblem hängt mit dem sogenannten „CLOUD Act“ zusammen. Es besagt, dass US-amerikanische Internetunternehmen und IT-Dienstleister den US-Behörden im Falle einer Ermittlung Zugriff auf alle von ihnen gespeicherten Daten gewähren müssen,selbst wenn deren Speicherung außerhalb der USA erfolgt. Und sogar dann, wenn die Gesetzeslage am Speicherort eine Herausgabe der Daten verbietet.

Wir stellen ideale und datenschutzkonforme Tools fürs Homeoffice vor, die sich bisher bewährt haben.

Team Chat-Tools

  • Mattermost ist eine echte Open-Source Alternative zu Slack. Sie bietet alle Funktionen, die Anwender:innen von Slack kennen: Öffentliche und private Chaträume, Eins-zu-Eins Nachrichtenversand, Dateiaustausch, benutzerdefinierte Emojis, Webhooks, Slash-Befehle und Mehrsprachenunterstützung.
  • Riot ist eine plattformübergreifende Open-Source-Software für Chat, IP- und Video-Telefonie über die Matrix-Protokolle. In dieser sind bereits existierende Kommunikationsplattformen wie IRC, Slack, Twitter, Telegram und Apple iMessage eingebunden.
  • Die Gruppen-Chat-Anwendung Zulip zeichnet sich durch weitreichende Integrationsmöglichkeiten für in der Softwareentwicklung wichtige Tools wie GitHub und Jenkins aus. Themenspezifische, geschlossene Gruppenchats, die Speicherung aller Nachrichten in einem Stream, Privatchats, Statusanzeigen, Dateiuploads, Emojis sowie E-Mail- und Desktop-Benachrichtigungen sind einige Features, die Zulip bietet.

Weitere Informationen gibt es ebenfalls unter unseren Team Chats.

Web-Meetings

  • Die quelloffene Software Jitsi ermöglicht Videokonferenzen mit einem oder mehreren Teilnehmenden. Neben dem Video- bzw. Audiochat bietet Jitsi Meet außerdem die Funktionen der Desktop-Freigabe und des Screen-Sharings bestimmter Fenster, um Inhalte zu präsentieren.
  • Kopano Meet ist ein Videokonferenztool, welches völlig unabhängig von den anderen Kopano-Apps arbeitet, so dass die Installation der anderen Apps keine zwingende Voraussetzung stellt.

Weitere Informationen gibt es ebenfalls hier.

Unsere Empfehlung für Tagungen:

BigBlueButton ist ein Webkonferenzsystem, das sich ebenfalls gut für E-Learning eignet. Die Plattform ermöglicht die gemeinsame Nutzung mehrerer Video- und Audioformate, eines Whiteboards, eines Chats, gemeinsam editierbaren Notizen sowie eine Screen-Sharing-Funktion in Echtzeit. Zusätzlich können bei Bedarf Unterrichtsstunden, Vorlesungen, Seminare oder Vorträge aufgezeichnet werden.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie bei der Auswahl eines passenden Tools für Ihr Unternehmen oder für dir private Nutzung Hilfe gebrauchen können – für ein unverbindliches Gespräch stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung!

 

 

05/2020 DSGVO-konformes E-Learning mit BigBlueButton, Moodle und Nextcloud – Datenschutz beginnt bei den Kleinsten

In der aktuellen Corona-Krise hat sich der Unterricht plötzlich von der Schule in den digitalen Raum verlagert. Das heimische Klassenzimmer stellt dabei neue Herausforderungen an alle Beteiligten. Wir finden: Schulen müssen deutlich mehr auf datenschutzkonforme, dezentrale und quelloffene Lösungen im Homeschooling setzen! Denn während in Deutschland schon wieder Restaurants und Cafés öffnen, bleibt der Schulbetrieb alles andere als normal. Der Einsatz digitaler open-source-Lösungen ist hier gefragt.

BigBlueButton (kurz BBB) ist ein Webkonferenzsystem für E-Learning. Die Plattform ermöglicht die gemeinsame Nutzung mehrerer Video- und Audioformate, eines Whiteboards, eines Chats, gemeinsam editierbaren Notizen sowie eine Screen-Sharing-Funktion in Echtzeit. Zusätzlich können Unterrichtsstunden und Vorlesungen aufgezeichnet werden.

Maßgeschneiderte Werkzeuge für Lehrkräfte

Lehrer:innen können ihre Audiodaten, Folien, Chats, Videos und Desktops mit den Schüler:innen teilen. Integrierte Umfragen machen es zudem einfach, Schüler:innen in den Unterricht einzubinden.
Bei Nutzung des Whiteboard-Tools werden die eingetragenen Informationen in Echtzeit den Schülern zur Verfügung gestellt. Lehrkräfte haben die Möglichkeit, in Präsentationsfolien hinein zu zoomen, diese hervorzuheben sowie in diesen zu zeichnen und zu schreiben. Hierdurch ergibt sich eine visuelle Verbesserung beim Unterricht.

BBB für Gruppenarbeit

Dadurch, dass eine BBB-Aktivität für eine Arbeitsgruppe eröffnet werden kann, ist auch Gruppenarbeit ohne Moderation möglich. Der Rauminitiator kann allen Teilnehmenden Moderatorenrechte geben, so dass diese in BBB alle Funktionen nutzen können. Jedem Teilnehmenden einer Online-Gruppenarbeit steht es frei, seine eigene Webcam zu nutzen. Hierdurch ist es zum Beispiel möglich, dass Wortmeldungen mittels Handzeichen signalisiert werden können. Des Weiteren können Teilnehmende miteinander chatten und Informationen austauschen.
Die einfache API erleichtert die Integration eigener Produkte und punktet mit einer langen Liste vorhandener Integrationsmöglichkeiten mit Anwendungen von Drittanbietern wie Canvas, Drupal, RedMine, Wordpress uvm. BBB kann bspw. in Moodle LMS integriert werden, so dass Teilnehmende, die nicht an einer Live-Sitzung teilgenommen haben, sich diese später anzeigen lassen können. Außerdem ermöglicht dies Schüler:innen den Abruf der Materialen für das Webinar und andere Aktivitäten, wie z.B. Abgaben der Aufgaben, Diskussionen in Foren, Erstellung gemeinsamer Ergebnisprotokolle in Wikis usw.

Datenschutz

Das Video- und Webkonferenz-System ist aufgrund strenger Datenschutzvorschriften selbstverständlich mit SSL verschlüsselt. Der Server Standort ist in Deutschland, jedoch kann BigBlueButton auch auf eigenen Servern betrieben werden. Die Datenübertragung ist zusätzlich mittels SRTP gesichert, welches für die verschlüsselte Übertragung von Kommunikation über das Internet geeignet ist. Ein weiteres positives Feature: Die Aufzeichnung des Unterrichtes bedarf einer datenschutzrechtlichen Einwilligung aller Beteiligten vor Beginn der Aufzeichnung.

Weitere Informationen zu BigBlueButton gibt es ebenfalls unter https://www.aixzellent.com/de/premium_e-learning.

heart Unsere Lieblingskombination: BBB, Moodle & Nextcloud

BBB und Moodle können in Nextcloud integriert werden, sodass die Funktionen gezielt weiterverwendet werden können, welche für Schulen und Teamarbeit geeignet sind. Ein sicherer Datenaustausch, ein Kursmanagementsystem, eine einfache Bedienung und die Nutzung der anderen Kollaborationswerkzeuge in Nextcloud wie OnlyOffice, Chat, ein Kalender usw., machen diese Kombination besonders attraktiv. Außerdem können BBB und Moodle durch die Integration in Nextcloud ausschließlich in Deutschland gehostet werden, so dass ein DSGVO-konformer Betrieb möglich ist.  

Weitere Informationen zur Nextcloud gibt es ebenfalls unter https://www.aixzellent.com/de/premium_privateclouds.

Die (teilweise) Schließung von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen führt zu einer großen Unsicherheit. Fest steht, durch die richtigen E-Learning-Tools können nicht nur die Kleinsten unserer Gesellschaft geschützt, sondern Lehrkräfte und Schüler:innen entlastet und der Unterricht zuhause so attraktiv wie möglich gestaltet werden. Wenn Schulen und andere Bildungseinrichtungen jetzt nicht bereit sind, sichere Lösungen zu Gunsten des Datenschutzes zu wählen, geht das langfristig auf Kosten der Privatsphäre und den Datenschutz.

 

04/2020 Corona-Apps & Datenschutz? Machbar!

Corona-Datenschutz-Apps sollen die Verbreitung des Coronavirus‘ in Deutschland verlangsamen und wichtige Forschungsdaten erheben. Durch Rückschlüsse, wie sich das Virus ausbreitet, soll eine App entscheidend helfen. Vor allem das am 1. April 2020 vorgestellte “Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing” (PEPP-PT) steht jedoch massiv in der Kritik von Datenschützer:innen. Die Bundesregierung hat sich nun offenbar für diese zentrale Lösung entschieden.

Folgende Apps sind in Deutschland bereits verfügbar bzw. noch in der Konzeption:

► Verfügbar: Datenspende-App des RKI
Eine Datenspende-App wird bereits vom Robert-Koch-Institut zum Download zur Verfügung gestellt. Mithilfe einer Smartwatch oder eines Fitnesstrackers werden Vitaldaten gesammelt und in anonymisierter Form dem RKI zur Verfügung gestellt. Auch diese App steht bereits massiv unter Kritik.

► Verfügbar: CoroNotes-App des Max-Plank-Instituts
Durch diese App wollen Forscher:innen vor allem den Krankheitsverlauf der Erkrankung besser nachvollziehen. In der Smartphone-Anwendung des Max-Plank-Instituts werden Fragen zu aktuellem Gesundheitszustand, Symptomen und Vorerkrankungen beantwortet.

► Verfügbar: Crowdless-App der ESA
Die europäische Weltraumorganisation ESA ist ebenfalls an einer Corona-App beteiligt, indem es das britische Start-Up Lanterne unterstützt. Dieses hat die Vermeidung von Menschenansammlungen zum Ziel. In der App des Unternehmens sollen über anonymisierte Daten von Google Maps und Google Places die Besuchszahlen der umliegenden Geschäfte ermittelt werden, um ein Ausweichen auf weniger gut besuchte Einkaufsmöglichkeiten zu ermöglichen.

► Noch in Arbeit: Corona-Warn-App der Bundesregierung
→ Geplanter Start: Ende Mai
Die Bundesregierung hatte für die geplante App drei unterschiedliche technische Konzepte in der näheren Auswahl. Mithilfe der sogenannten PEPP-PT-Technologie sollen per Bluetooth Infektionsketten schnell erkannt und Kontaktpersonen nachverfolgt werden. Auch der rivalisierende Ansatz D3PT (Decentralized Privacy Preserving Proximity Tracing) sowie die in Österreich eingesetzte Technik der Accenture GmbH wurden durch die Bundesregierung betrachtet und bewertet. Nun hat sich die Bundesregierung offenbar für die zentrale Lösung der PEPP-PT-Technologie entschieden und verspricht sich davon vor allem mehr epidemiologische Erkenntnisse.

► Noch in Arbeit: Apple & Google arbeiten an einer Corona-Warn-App
→ Geplanter Start: Mitte Mai
Ähnlich wie die PEPP-PT-Lösung soll auch die App dieser beiden großen Hersteller funktionieren. Eine entsprechende Bluetooth-Technologie soll zunächst als Grundlage für nationale Corona-Apps dienen und in einem zweiten Schritt direkt per Software-Update in die Betriebssysteme Android bzw. iOS integriert werden. Nutzer:innen sollen der Aktivierung dabei manuell zustimmen können. Ein Unterschied zum Ansatz der deutschen Bundesregierung ist die dezentrale Datenspeicherung, die angesichts der beiden Unternehmenshistorien für Verblüffung sorgt.

enlightened Und der Datenschutz?

Mehr als 300 Wissenschaftler:innen aus 26 Ländern warnen vor einer „beispiellosen Überwachung der Gesellschaft“ durch Corona-Apps, die keinen datenschutzkonformen Standards unterliegen.1 Dahinter steckt vor allem Kritik an dem Projekt PEPP-PT: Die Bluetooth-basierten Vorschläge könnten zum Teil eine Überwachung durch staatliche Akteure und private Unternehmen ermöglichen, die auf katastrophale Weise das Vertrauen in und die Akzeptanz für solche Anwendungen in der Gesellschaft beschädigten. Vorwürfe lauten unter anderem auch mangelnde Transparenz. So ist bspw. die Schweizer Firma AGT in das Projekt involviert, die vor einigen Jahren Massenüberwachungssysteme für arabische Staaten aufgebaut haben soll.2 Auch die zentrale Speicherung der Daten steht unter massiver Kritik. Dabei wird angenommen, dass es eine absolut ehrliche und zentrale Instanz gibt, die sich die gespeicherten Daten niemals anschaut oder weiterverwendet. Diese zentrale Instanz soll in Deutschland das RKI stellen, das jedoch bis heute keine Auskunft über zentrale datenschutzrelevante Problemstellungen geliefert hat.

Doch kann eine App ihren Zweck erfüllen und gleichzeitig Datenschutz gewährleisten? Ja, dezentral! Heutzutage können Netzwerke so aufgebaut werden, dass Daten nicht zentral gesammelt werden müssen. Durch die Art der Programmierung wird verhindert, dass Daten anfallen, die für eine Überwachungs-App missbraucht werden könnten. Man muss sich also nicht zwischen Hilfe zu Corona und Datenschutz entscheiden.

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1 Das gemeinsame Statement vom 20.04.2020 gibt es hier zum Nachlesen: https://drive.google.com/file/d/1OQg2dxPu-x-RZzETlpV3lFa259Nrpk1J/view
2 https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/umstrittene-firma-aus-zuerich-ist-in-geplante-corona-app-involviert-datenschuetzer-melden-bedenken-an-137683803

 

04/2020 Homeoffice-Tools: Es ist nicht alles Gold, was glänzt...
(Open-Source-) Alternativen zu kommerziellen Messaging- und Videokonferenz-Tools

So begrenzt die aktuelle Lebenssituation aufgrund von Covid-19 aktuell ist, so unbegrenzt sind die Möglichkeiten der Kommunikation im Homeoffice. (Dienst-)Handy, privates Festnetz, Chatprogramm, E-Mail, Videokonferenzen u.v.m. – die Möglichkeiten sind breit gefächert. Die Zunahme der Homeoffice-Arbeitsplätze treibt den Einsatz von Kollaborationslösungen und Videokonferenz-Tools voran und beschert ihnen einen Boom, wie man ihn noch nie erlebt hat. Vielen Anbietern wird die steigende Beliebtheit jetzt zum Verhängnis.

Ein Blick auf bekannte Anbieter unterstreicht beispielsweise den Ansturm auf Messenger- und Videokonferenz-Tools: Slack vermeldet einen Anstieg gleichzeitig verbundener User von 10,5 auf 12,5 Millionen innerhalb weniger Tage. Microsoft Teams hat inzwischen die Marke von 44 Millionen täglichen Usern geknackt. Auch Google kommt der Boom virtueller Meetings zugute: Die Nutzung der Google-Lösung „Google Hangouts Meet“ sei heute 25 Mal höher als im Januar. Zoom konnte ebenfalls von der aktuellen Situation profitieren. Das Videokonferenz-Tool ist vor allem wegen seiner Anwenderfreundlichkeit, seiner Preisstruktur und des einfachen Deployments geschätzt. Doch gerade in puncto Sicherheit zog Zoom nun viel Kritik auf sich: Unzureichende Anrufverschlüsselung, Sicherheitslücken, Datenaustausch mit Facebook oder geleakte E-Mails und Fotos von User:innen – die Liste ist lang.

Zum Glück gibt es viele spannende Alternativen, die unter anderem auch als Open-Source-Lösung verfügbar sind. Wir haben euch jeweils drei sichere und anwenderfreundliche Messenger- und Videokonferenz-Tools herausgesucht:

Mattermost, Riot & Zulip

Die webbasierten Messaging-Lösungen Mattermost, Riot und Zulip punkten durch plattformübergreifende Verfügbarkeit. Sie haben sowohl eigene Desktop-Clients als auch Clients für Mobilbetriebssysteme. Direktnachrichten, Gruppennachrichten, Archive und Datenversendung sind bei allen drei Anwendungen verfügbar. Riot bietet darüber hinaus auch Video- und Internettelefonie an. Diese Funktionen sind bei Mattermost und Zulip bisher nur eingeschränkt verfügbar. Auch bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann Riot punkten, die anderen beiden Dienste verfügen über eine Transportverschlüsselung. Wer genaueres über die jeweiligen Anbieter erfahren möchte, wird [hier...] fündig.

 

Jitsi Meet, Kopano Video Meetings und Mikogo

Jitsi umfasst mehrere Open-Source-Projekte, mit denen man auf einfache Weise sichere Videokonferenzen durchführen kann. Die quelloffene Software Jitsi Meet ermöglicht Videokonferenzen mit einem oder mehreren Teilnehmenden. Neben dem Video- bzw. Audiochat bietet Jitsi Meet außerdem die Funktionen der Desktop-Freigabe und des Screen-Sharings bestimmter Fenster, um Inhalte zu präsentieren. Zusätzlich steht eine integrierte Chat-Funktion zur Verfügung, um textbasierte Inhalte mit anderen Teilnehmenden zu teilen. Neben dem Webinterface ist Jitsi Meet ebenfalls als App über Android und iOS verfügbar.

Die endgerätunabhängige Software Kopano Video Meetings wurde für den Einsatz in Unternehmen entwickelt und erlaubt „Peer to Peer“ verschlüsselte Kommunikation. Sie kann innerhalb einer Private Cloud ausgerollt werden. Zu den Funktionen zählen Video und Audio Gespräche, Eins-zu-Eins-Gespräche sowie Gruppenanrufe.

Über Mikogo kann der eigene, ausgewählte Bildschirminhalt angezeigt und somit anderen, authentifizierten Nutzer:innen zugänglich gemacht werden. Eine Fernsteuerung des Bildschirms ist bei diesem Anbieter ein großer Pluspunkt. Der Präsentierende kann, nach Zuteilung der notwendigen Rechte, die Kontrolle über einen anderen Computer übernehmen und umgekehrt. Mit der integrierten Whiteboard -Funktion kann der Präsentierende außerdem Bildschirminhalte auszeichnen oder mit Bemerkungen versehen. Die Sperrung und Freigabe von Teilnehmenden, die Aufzeichnung von Sitzungen und ein Sitzungsplaner zählen ebenfalls zu nützlichen Funktionen.

Mehr Infos über diese Anbieter gibt's [hier...].

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Und noch ein Letztes:

Wer über vollste Datensouveränität verfügen möchte, sollte einen eigenen Server aufsetzen (lassen). Wem das Know-How oder auch die benötigte Zeit fehlt dies zu tun, kann bei vielen Anbietern eigene Server hosten lassen. Auch wir kümmern uns um die Einrichtung, die individuelle Konfiguration, den laufenden Betrieb und die benötigte Power. Für Fragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung!